Coach Typ: Bist Du eher ein X-Coach oder ein Y-Coach?


In diesem Beitrag möchte ich Dir zwei Menschenbilder vorstellen, die Dich bzw. Deine Arbeit als Coach beeinflussen, nämlich das Menschenbild X und das Menschenbild Y. Die X- und Y-Theorie geht auf Douglas Mc Gregor zurück und wurde ursprünglich in der Beurteilung von Führungskräften bzw. Managern genutzt.

Theorie X

Personen, die das X-Menschenbild haben, gehen eher davon aus, dass Menschen grundsätzlich faul sind und sich möglichst wenig anstrengen wollen. Zu hohen Leistungen könne man Menschen demnach nur durch Kontrolle und womöglich Belohnung und Sanktionen bewegen. Menschen haben nach der X-Theorie also keinen eigenen Ehrgeiz und müssen immer extrinsisch motiviert werden.


Theorie Y

Hingegen besagt das Y-Menschenbild, dass Menschen intrinsisch motiviert sind, zu Leistungen nicht „gezwungen“ werden müssen, eigenständig Verantwortung übernehmen und kreativ Lösungen finden können usw.


Der X-Coach

Wenn man nun als Coach das X-Menschenbild hat, neigt man eher dazu, einen „harten“ Umgang zum Coachee zu pflegen. Das heißt, der Coach denkt z.B., dass er durch Kontrollen und Anreize für die Lösung des Coachee-Anliegens sorgen muss. Er traut dem Coachee die Übernahme von Eigenverantwortung nicht zu und ist eher belehrend und bevormundend. Er arbeitet weniger mit Fragen und mehr mit Ratschlägen, weil er denkt, dass der Coachee nicht gewillt, ehrgeizig und kreativ genug ist, um eine geeignete Lösung finden zu können.


Y-Coach

Hingegen arbeitet der Y-Coach, also ein Coach, der das Y-Menschenbild hat, mit Fragen, weil er in erster Linie davon ausgeht, dass die Lösung bereits da ist und dass der Coachee nur mit geeigneten Fragen oder kleinen Hinweisen seinen Weg findet. Er vertraut dem Coachee mehr und überlässt ihm die Eigenverantwortung.


Erkennst Du Dich in einer der Beschreibungen wieder, oder fällt es Dir schwer zu sagen, was eher auf Dich zutrifft?


Wenn Du der X-Coach bist

Falls Du eher der X-Coach bist, habe ich die gute Nachricht für Dich. Nämlich, dass Du durch das Kennenlernen und Anwenden der Y-Theorie sowohl Dir als auch Deinen Klienten mehr Leichtigkeit schenken kannst. Du darfst auch den Coachee selbst die Verantwortung für sein Problem übernehmen lassen. Du bist nicht dafür verantwortlich, dass der Coachee das, was für ihn gut ist oder zu sein scheint, auch tatsächlich umsetzt. Am Ende des Coachings sollte der Coachee mit Deiner Hilfe eine für ihn geeignete Entscheidung getroffen haben. Diese Entscheidung kann auch heißen, dass er nichts ändern möchte und dass das Problem weiterhin bestehen bleiben soll. Du bist lediglich für einen reibungslosen und konstruktiven Coaching-Prozess verantwortlich, und das auch nur für Deinen Anteil. Wenn der Coachee z.B. zu spät zum Termin erscheint, weil er den Termin vergessen hat, ist das nicht Dein Verschulden. Und er ist auch kein schlechter oder fauler Mensch. Es kommt nun mal vor, dass ein Termin einem durchgeht. Menschen sind gewillter und ehrgeiziger als Du möglicherweise denkst. Dem Coachee Werkzeuge und Tipps an die Hand zu geben, wie er motiviert an der Lösung seines Problems arbeiten kann, gehört zu Deinen Aufgaben als Coach. Aber zu Deinen Aufgaben gehört es nicht mehr, sicherzustellen, dass der Coachee diese Werkzeuge außerhalb des Coachings auch tatsächlich nutzt. Die Motivation zur Lösung des Problems sollte vom Coachee kommen und muss nicht durch Dich forciert werden. Du darfst also durchatmen.


Wenn Du der Y-Coach bist

Falls Du eher der Y-Coach bist, habe ich auch eine gute Nachricht für Dich. Deine vertrauensvolle Art hilft Deinen Klienten, sich zu öffnen und sich akzeptiert sowie wertgeschätzt zu fühlen. Das ist eine gute Basis für eine konstruktive Zusammenarbeit im Coaching-Prozess. Die X-Theorie kann Dir dennoch helfen und zwar dahingehend, dass einige Menschen mehr Klarheit und Druck spüren müssen, damit sie in die Gänge kommen. Das soll nicht bedeuten, dass Du mit Anreizen und Sanktionen arbeiten sollst. Vielmehr kann eine provokative Art, die eher dem X-Coach entspricht, manchmal und bei manchen Klienten Aha-Effekte erzeugen. Bevor Du aber mit Provokationen oder auch „Quasi-Kontrollen“ im Coaching-Prozess arbeiten kannst, solltest Du eine konstruktive und vertrauensvolle Beziehung zum Coachee hergestellt haben. Mit Quasi-Kontrollen im Coaching-Prozess meine ich Statusabfragen, die zwischen jedem Coaching bzw. am Anfang jeder Coaching-Sitzung stattfinden. Beispielsweise ist es sinnvoll, den Coachee am Anfang des zweiten Coaching-Termins zu fragen, ob der die vereinbarten Aufgaben bearbeitet hat, die besprochenen Schritte gegangen ist, welche Hindernisse es gab und wie der Coachee damit umgegangen ist usw. Diese Fragen dienen nicht der Kontrolle, sondern dazu, den Coachee entsprechend seiner Situation zu begleiten und geeignete Impulse zu geben.


Wie Du siehst, ist es wie so oft im Leben eine Mischung auch unterschiedlichen Zutaten wichtig. Es wird wohl kaum einen „reinen“ X- oder Y-Coach geben. Die konstruktive und klientengerechte Mischung macht es. Hast Du den Y-Coach für Dich entdeckt, suchst aber nach Ideen, wie Du dieses Menschenbild im Coaching leben kannst und was das bedeutet? Dann trete der Facebook-Community für Frauen, die ihren Herzensweg als Coach gehen wollen, bei. Ich freue mich auf den Austausch mit Dir.


In Liebe

Deine Sol ☀️

© 2019 by Dr. Sol Alevifard

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