Entscheidungsfindung: Was Frauen für mutigere Entscheidungen brauchen

Welche Rolle spielen Emotionen in unseren Entscheidungen? Sollen wir lieber auf unseren Kopf hören oder unser Herz? Was wenn das Herz unvernünftige Entscheidungen trifft? Was wenn der Kopf übervorsichtig ist? Welchen Schatz, welchen ungeschliffenen Diamanten tragen Frauen in sich, der ihnen helfen könnte, mutigere Entscheidungen zu treffen? Wie kann man diesen Diamanten schleifen und zum Brillieren bringen? Worin besteht der Unterschied zwischen Mann und Frau, wenn es darum geht, diesen Diamanten zu schleifen? Warum haben Frauen bessere Karten?


Kopf oder Herz, Verstand oder Emotion? Was beeinflusst stärker unsere Entscheidungen?

Es ist schon längst bekannt, dass Menschen ihre Entscheidungen nicht nur mit dem Verstand treffen, sondern auch und insbesondere geleitet von Gefühlen und Emotionen. Die Tatsache, dass wir um die Bedeutung von Sport und bewusster Ernährung für unsere Gesundheit wissen, führt längst nicht zu der Entscheidung, unser Leben entsprechend umzugestalten. Warum ist das so? Ganz einfach. Wir lassen uns von unseren Emotionen leiten. Der Verstand verliert. Im Falle der Ernährung ist es z.B. so, dass die erwartete Emotion "Glücksempfinden" oder Freude, die mit (ungesunden) Leckereien verbunden wird, uns davon abhält, Ungesundes durch Gesuchtes zu ersetzen. Der kurzfristig erwartete Genuss treibt uns mehr als die mittel- bis langfristige Wirkung einer gesunden Ernährung. Dieser Mechanismus verstärkt sich, wenn wir gestresst sind. Hier neigen wir noch mehr zu emotionalem Essen. Beispielsweise wenn unser Chef uns geärgert hat und wir zur Schokolade oder anderen "Betäubungsleckereien" greifen. Jetzt sieht es so aus, als verleiteten uns Emotionen zu falschen oder destruktiven Entscheidungen. Es wäre verständlich, wenn Du das jetzt auch denken würdest. Nur es gibt ein großes ABER.


Ohne Berücksichtigung von Emotionen in Entscheidungen sind wir nicht lange überlebensfähig

So ganz ohne Emotionen treffen wir entweder Entscheidungen, die unser Leben verbittern oder im schlimmsten Fall, wir sind nicht lange überlebensfähig. Wie das? Eine der mächtigsten Emotionen, wenn nicht die mächtigste, ist die Angst. Wenn wir keine Angst vor einem Säbelzahntiger haben und ihm in die Arme laufen, wird er uns sicher nicht liebevoll streicheln. Aber auch abgesehen von dieser extremen Beispielsituation gibt es Situationen, in denen ist genau richtig und angebracht ist, Gefühle und Emotionen in Entscheidungen zu berücksichtigen. Untersuchungen des Neurowissenschaftlers Antonio Damasio legen nahe, dass Menschen mit Verletzungen im limbischen System (Hirnregion), insbesondere der Amygdala, keinen "emotionalen Kompass" haben, der sie vor nachteiligen Entscheidungen warnt. Während Menschen ohne Verletzungen in diesen Hirnarealen angesichts Optionen, die sie in der Vergangenheit als nachteilig kennen gelernt haben, emotionale Erregung zeigen, bleiben Menschen mit Verletzungen in den genannten Hirnarealen unbeeindruckt und wählen die für sie schlechte Option erneut. Der berühmteste Fall, der die psychologische Forschung in diesem Feld vorangetrieben hat, ist der Fall des 25-jährigen Eisenbahnmitarbeiters, Phineas Gage, welcher aufgrund eines Arbeitsunfalls (1848) Verletzungen im orbitofrontalen Kortex erlitt. Auch wenn er sich nach dem Unfall hinsichtlich seiner kognitiven Fähigkeiten erholte, veränderte sich seine Persönlichkeit. Der einst sorgfältige, geachtete und erfolgreiche Mitarbeiter stieß nach seinem Unfall gegen moralische Prinzipien, plante seine Zukunft nicht mehr und traf Entscheidungen, die seinen Interessen eindeutig widersprachen.


Emotionale Intelligenz für mutigere Entscheidungen

Wie es aussieht, können und sollen wir weder auf die Stimme des Verstandes, noch auf die Stimme des Herzens verzichten, wenn wir nachhaltig gute Entscheidungen treffen wollen. Oder anders formuliert: Nicht nur am Beispiel des Säbelzahntiegers, sondern auch am Beispiel von Phineas Gage könnte man sagen, dass vernünftige Entscheidungen ohne Berücksichtigung von Emotionen kaum möglich sind. Wie können wir aber verhindern, dass uns Emotionen in die Irre führen? Die Antwort lautet: Emotionale Intelligenz. Und genau hier, haben wir Frauen bessere Chancen als Männer. Denn Frauen können tendenziell ihre Emotionen besser wahrnehmen, erkennen, einordnen und ausdrücken. Das bedeutet aber nicht, dass Männer keine Emotionen haben. Frauen haben lediglich einen besseren Zugang zu ihren Emotionen. Um zurück auf die emotionale Intelligenz zu kommen: Die genannten Fähigkeiten machen einen wesentlichen Teil der emotionalen Intelligenz aus. Studien zeigen, dass Menschen, die ihre Angstgefühle besser durchschauen können, sich in ihrer Entscheidungsfindung weniger von der Angst beeinflussen lassen.


Im Folgenden skizziere ich zuerst, was ohne emotionale Intelligenz passieren kann, anschließend was Emotionale Intelligenz genauer betrachtet bedeutet und dann was Du tun kannst, um Deine emotionale Intelligenz ab sofort zu stärken.


Ohne emotionale Intelligenz kann Folgendes passieren


1. Wir merken nicht, dass wichtige Veränderungen in unserem Leben nötig sind, um in unsere Balance zu kommen.

Wir merken dies nicht, wenn wir nicht gelernt haben, unsere Emotionen wahrzunehmen, zu erkennen, zu würdigen und mit ihnen umzugehen. Oder wir haben gelernt, unsere Emotionen zu unterdrücken und nur vom Verstand her zu funktionieren. Beispielsweise wissen wir nicht, was uns Freude bereitet, was uns ärgert, wie sich Ärger anfühlt, was der Unterschied zwischen Wut und Trauer ist, in welchen Situationen wir welche Emotionen haben und wie sie sich auf körperlicher Ebene äußern usw. Unser Wortschatz zum Ausdrücken unserer Emotionen ist klein, was zur Folge hat, dass wir sie auch nicht kommunizieren können. Und wenn wir unsere Emotionen nicht wahrnehmen und kommunizieren können, haben wir keinen inneren Kompass, der uns zeigt, wer wir wirklich sind und was uns wirklich bewegt.


2. Wir vermeiden wichtige Veränderungen in unserem Leben, weil wir unbegründete Angst haben.

Die Angst wäre berechtigt, wenn wir z.B. die Risiken der Entscheidung kennen würden und wüssten, dass wir diese Risiken nicht tragen können. Anders ist es, wenn wir eine Angst aus vergangenen Situationen mitschleppen, ohne dass sie mit der aktuellen Entscheidungssituation etwas zu tun hat. Möglicherweise handelt es sich um eine Angst, die in der Vergangenheit berechtigt war, als wir keine entsprechenden Bewältigungsmechanismen hatten. Aber was ist mit heute? Als Babies oder kleine Kinder sind wir auf die Unterstützung unserer Bezugspersonen angewiesen, aber als Erwachsene nicht mehr, zumindest nicht immer und nicht im gleichen Ausmaß. Die Ängste eines kleinen Kindes, allein gelassen oder verlassen zu werden sind berechtigt, aber die eines Erwachsenen nicht unbedingt.


Emotionale Intelligenz: Was ist das genau?

Emotionale Intelligenz hat drei Komponenten, die Fähigkeit zur Wahrnehmung eigener Gefühle, die Fähigkeit zur Wahrnehmung der Gefühle anderer Menschen und schließlich die Fähigkeit, mit den wahrgenommenen Gefühlen konstruktiv umzugehen. Ein emotional intelligenter mensch ist kein gefühlsduseliger Warmduscher. Vielmehr ist die emotionale Intelligenz eine Bewältigungsstrategie oder auch Erfolgsstrategie. Denn nur wer seine Emotionen wahrnehmen und gezielt regulieren kann, kann Versuchungen widerstehen, sich in schwierigen Situationen beruhigen, andere Menschen für sich gewinnen, Kooperationen eingehen, gemeinsam mit anderen Menschen Erfolge erzielen usw. Emotionale Intelligenz hilft uns, uns vor emotionalen Selbstverletzungen (z.B. Festhalten an negativen Gedanken über die eigene Person) zu schützen, aber auch davor, dass andere menschen uns emotional verletzen können. Genauso hilft uns die emotionale Intelligenz dazu, andere Menschen emotional nicht zu verletzen. Ein emotional intelligenter Mensch weiß beispielsweise, dass er schlechte Laune hat, woher diese Laune kommt, dass es eine Laune ist und dass sie bald vorbei sein wird. So wird er sich nicht in seine negative Stimmung hineinsteigern und sich keine negative Folgeszenarien ausdenken.


Emotionale Intelligenz stärken: Wie?

Es gibt unzählige Möglichkeiten und Wege, die eigene emotionale Intelligenz zu stärken. In diesem Beitrag möchte ich Dir aber eine Idee geben, die Du sofort umsetzen kannst. Mein Ziel ist es, Menschen mit meinen Beiträgen zu empowern, d.h. ihnen wichtige Fähigkeiten zu vermitteln. Daher lege ich Wert auf die Anwendbarkeit dessen, was ich Dir mitgebe.


1. Vergrößere Deinen emotionalen Wortschatz

Als erstes ist es wichtig, dass Du Dich darin trainierst, Deine Gefühle bzw. Emotionen überhaupt wahrzunehmen und die Ursachen dafür zu erkennen. Deine Wahrnehmung kannst Du stärken, indem Du Deinen Wortschatz vergrößerst, was Emotionen angeht. Beispielsweise gehören zur "Emotionsfamilie" Frust die Ausdrücke frustriert, resigniert, verbittert, entmutigt, demotiviert, gereizt, sauer usw. Diese Begriffe drücken unterschiedliche Nuancen von Frust aus. So kannst Du Dein emotionales Erleben differenzierter wahrnehmen und sie auch in der Kommunikation treffender zum Ausdruck bringen. Dies wird Dir wiederum helfen, die Ursache für Deine Frust schneller zu finden.


Gehe in kleinen Schritte vor und suche Dir zuerst jeweils drei positive und drei negative Emotionen aus und finde für jede Emotion verwandte Beschreibungen wie im Beispiel von Frust. Hier mein Vorschlag: Angst, Trauer und Wut als negative Emotionen und Freude, Hoffnung sowie Erleichterung als positive Emotionen. Du kannst jede Emotion in die Mitte eines Blatts und die verwandten Begriffe um diese herum schreiben. Wenn Dir keine verwandten Begriffe oder Emotionsbeschreibungen einfallen, suche einfach im Internet nach Synonymen für das jeweilige Wort. Da wirst Du sicher fündig.


2. Finde heraus, welche Gedanken zu welchen Emotionen führen

Finde im nächsten Schritt heraus, welche Gedanken die jeweilige Emotion bei Dir erzeugen. Im Falle von Frust können die Gedanken z.B. diese sein: "Ich kann mit meinem Tun nichts bewirken.", "Meine Mühen bringen nichts.", "Niemand versteht mich." usw. Mache diesen Schritt sowohl für positive als auch für negative Gefühle. Damit identifizierst Du die Quelle Deiner Emotionen, was Dir wiederum hilft, Deine Emotionen besser zu regulieren. Die Quelle Deiner positiven Emotionen sind Deine Kraftquellen. Sie eignen sich hervorragend für die Formulierung von Affirmationen. Wie Du gekonnt Affirmationen formulierst, kannst Du in diesem Beitrag sehen. Was Du mit negativen Gedanken anstellen kannst, erfährst Du, wenn Du weiterliest.


3. Finde heraus, ob die negativen Gedanken wirklich wahr sind und formuliere Ersatzgedanken

Oft haben wir Gedanken, die verzerrt sind, d.h. sie entsprechen nicht unbedingt und immer der Realität. Sobald Du in den Analyse-Modus gehst und Deine negativen Gedanken hinterfragst, gewinnst Du Distanz zu ihnen und die verbundenen negativen Emotionen lassen nach. Suche also wie ein Detektiv nach Verzerrungsmechanismen, die Deinen Blick versperren. Beispiele für gedankliche Verzerrungsmechanismen sind

  1. Unter- und Übertreibungen: "Die Auszeichnung, die ich bekommen habe, ist nichts besonderes." (Untertreibung), "Es ist voll schlimm, dass ich mich in meinem Vortrag verhaspelt habe. Jetzt denkt jeder, ich sei unfähig." (Übertreibung) Ersatzgedanken: - "Vielleicht sind viele imstande, diese Auszeichnung zu erhalten. In unserer Abteilung war ich aber tatsächlich eine der wenigen, die sie bekommen hat." - "Es zwar nicht schön, dass ich mich verhaspelt habe, aber abgesehen von diesem einen Mal war mein Vortrag sehr gut."

  2. Alles-oder-Nichts-Denken: "Entweder ich erreiche im ersten Jahr meiner Selbstständigkeit sofort einen Gewinn von x Euro oder ich gebe die Selbstständigkeit auf." Hier berücksichtigt der Gedankenträger nicht, dass der Aufbau der Selbstständigkeit in den ersten Jahren häufig mit Verlusten verbunden ist. Ersatzgedanke: - "Ich werde alles daran setzen, meinen Wunschgewinn zu erzielen. Wenn es aber im ersten Jahr nicht klappt, daann ist es eben so. Das liegt in der Natur der Sache."

  3. Absolutismen: "Ich muss immer zurückstecken.". Hier spielt das Wort "immer" die bedeutende Rolle. Kann es denn wirklich sein, dass in 100% der Fälle, man in seinem Leben zurückstecken musste? Sobald man nur eine Situation findet, in der man nicht zurückstecken musste, ist der Gedanke nicht wahr. Das heißt, der Träger dieses verzerrten Gedankens hat grundsätzlich Möglichkeiten, das Zurückstecken zu vermeiden. Ersatzgedanke: -"Es gab zwar oft Situationen in meinem Leben, in denen ich zurückgesteckt habe. Aber niemand hat mich dazu gezwungen und abgesehen davon gab es auch Situationen, in denen ich nicht zurückgesteckt habe."

Ich hoffe, Du hast jetzt eine Idee, was emotionale Intelligenz ist, warum Du als Frau gute Chancen hast, diese zu stärken und zu nutzen, um mutiger und mit weniger Sorgen Deine Entscheidungen zu treffen. Wenn Dir dieser Beitrag gefallen hat, freue ich mich über Dein Feedback unter dem Instagram-Beitrag zu diesem Blog-Artikel.


In Liebe

Deine Sol☀️

© 2019 by Dr. Sol Alevifard

Dr. Sol Alevifard

Bülowstr. 20

58097 Hagen

info@alevifard.de

Verwendung von Cookies