Negative Gedanken über Dich selbst: Warum Du sie nicht los wirst



Man könnte sagen, dass sobald man feststellt, dass man unbegründet negativ über sich selbst denkt, man diese Gedanken auch sofort aus seinem Kopf verbannen können müsste, weil alles andere nicht rational wäre. Beispiele für solche Gedanken sind "Ich bin nicht gut genug.", "Ich bin nicht liebenswert genug.", "Ich bin nicht intelligent genug." etc. Wir halten häufig sehr hartnäckig an diesen Gedanken fest, auch wenn es viele Gegenbeweise und gegenteilige Feedbacks gibt. Wir halten fest nach dem Motto "Irgendwie kann ich das nicht glauben, dass ich gut genug bin." Durch dieses Festhalten entwickeln sich negative Gedanken zu negativen Überzeugungen, die auf Autopilot unser Verhalten und unsere Entscheidungen steuern und uns auch oft davon abhalten unsere Komfortzone zu verlassen.


In solchen Fällen handelt es sich um limitierende Glaubenssätze bzw. Überzeugungen, die nicht unbedingt der Wahrheit entsprechen müssen. Sie stammen in der Regel aus der frühen Kindheit und/oder traumatischen Ereignissen, die für uns sehr prägend waren. Ihr limitierender Charakter kommt dadurch, dass die betreffende Person unbewusst noch denkt, sie sei so klein und-/oder hilflos wie in der jeweiligen Situation oder Lebensphase. Hier sind auch Affirmationen, die gegenteilige Gedanken, d.h. positive Gedanken beinhalten, allein wenig hilfreich. Es braucht mehr.


Wenn wir unsere negativen Gedanken über uns selbst nun loswerden wollen, es aber nach vielen Versuchen nicht schaffen, dann liegt es unter anderem daran, dass sie uns einen Vorteil bringen. So paradox es auch zu sein scheint. Hier sprechen wir vom Phänomen des "Problemnutzens". Beispielsweise bringt der negative Gedanke, "Ich bin nicht kompetent genug." den Nutzen, dass wir es für uns, aber auch gegenüber anderen Menschen gut rechtfertigen können, warum wir angeblich die eine oder andere Herausforderung nicht angehen können. Damit vermeiden wir Situationen, in denen wir aufgrund von möglichen Misserfolgen Ablehnung oder Kritik erfahren könnten. Das heißt, das Problem oder besser gesagt, der limitierende Glaubenssatz ist unser Beschützer. Im Grunde wollen wir diese Überzeugung nicht loswerden. Solange wir also glauben und auch anderen glaubhaft machen, wir seien nicht kompetent genug, müssen wir auch nichts wagen, keinen Misserfolg riskieren, keine Kritik und auch keine Ablehnung in Kauf nehmen.

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