Urvertrauen stärken: Ein simpler Weg



Wenn das Urvertrauen ins Wanken gerät

Um Dir beispielhaft zu zeigen, wie Du Dein Urvertrauen wieder aktivieren und stärken kannst, möchte ich Dich kurz mitnehmen in eine Phase meines Lebens, in der ich eine meiner größten Lebenskrisen erlebte. In dieser Phase fühlte ich mich trotz kleiner und großer Erfolge, die ich bis dahin erzielt hatte, unsicher, verängstigt, machtlos, hoffnungslos und letztendlich auch orientierungslos. Mein Urvertrauen war ins Wanken geraten.


Von außen betrachtet bestand überhaupt kein Grund dafür, dass ich mich so fühlte. Aber innerlich ging es mir anders. Es ging dabei um die Frage, wie ich meine berufliche Zukunft gestalten wollte. Eine große Frage und Aufgabe. Ich wollte in eine Richtung, für die ich bis dahin keine großen Berufserfahrungen mitbrachte, nämlich Coaching. Ich hatte für mich herausgefunden, dass ich als Coach arbeiten und anderen Menschen in Lebensfragen helfen wollte. Aber ich hatte weder ein abgeschlossenes psychologisches Studium noch eine abgeschlossene Ausbildung als Coach. Das heißt, mir fehlte sowohl die Qualifikation als auch die Berufserfahrung.


Soweit so gut, "Eine Ausbildung kannst Du machen.", dachte ich. Was die Berufserfahrung angeht, "... nutze ich einfach meine bunte Lebenserfahrung.". Aber trotzdem gingen mir gefühlt 1000 andere große Fragen durch den Kopf. Hier einige Beispiele:

  1. "Kannst ich mit Coaching Geld verdienen und meinen Lebensunterhalt sichern?" Gefühlt war die Antwort "nein" bzw. "schwierig".

  2. "Kann ich mit erfahrenen Wettbewerbern mithalten?" Gefühlt war die Antwort auch hier "nein" bzw. "schwierig".

  3. "Interessiert sich jemand für mich bzw. meine Arbeit? Was wenn nicht?" Hier war die Antwort weiter die gleiche, zumindest in meinem Kopf.

  4. "Was soll ich denn als Neuling den Leuten erzählen? Was habe ich denn vorzuweisen?" Gefühlt nichts.

  5. "Bin ich nicht zu jung, um als Coach ernstgenommen zu werden?" "Du bist zu jung." war die Antwort auf diese Frage, die ich mir ununterbrochen im Kopf gab.

  6. "Was denken andere über mich?" "Sie denken, irgendetwas stimmt mit mir nicht, sonst hätte ich wie sie und viele andere einen teuer bezahlten Job angenommen und nicht wieder die Schulbank gedrückt." Diese Frage und diese Antwort waren sehr belastend für meinen Selbstwert.

  7. "Reicht eine Ausbildung?" "Andere haben zehn und sind Mitglied in zig Verbänden. "Mein Profil glänzt nicht unbedingt. Es dauert lange bis ich als Coach auf einen grünen Zweig komme." Auch diese Antwort war nicht die hoffnungsvollste.

  8. "Wem soll ich glauben? Denjenigen, die sagen der Coaching-Markt boomt oder denen, die sagen, der Coaching-Markt sei übersättigt?" "Keine Ahnung."

  9. Wer kann mir helfen und wie finde ich einen seriösen "Helfer"? "ERROR"

  10. usw.

Wenn das Urvertrauen sich meldet

Du siehst, mein Self-Talk war nicht unbedingt voll mit Hoffnung und Zuversicht. Dass ich aber überhaupt auf die Idee kam, trotz der nicht allzu rosigen FAQ an meinen eigenen Weg zu denken, war eine leise Stimme, die immer wieder sagte, "Du hast bisher oft erreicht, was Du zuerst für nicht möglich gehalten hast. Vielleicht klappt es auch diesmal." Mein Urvertrauen war also noch irgendwo doch aktiv. Diese Stimme wurde zwar immer wieder von den großen, verunsichernden Fragen und Antworten weggedrängt, aber sie meldete sich immer wieder. Irgendwann beschloss ich, ihr gut zuzuhören.


Wenn das Urvertrauen spricht

Also setzte ich mich hin und hörte in mich hinein und tat, was diese weise Stimme sagte: "Schaue in Deine Vergangenheit und Deine Gegenwart. Schreibe alles auf, was Du heute bist, kannst und hast auf. Frage Dich dann, ob Du alles, was Du heute bist, kannst und hast, schon immer warst, konntest und hattest." Und diese Stimme bzw. ich selbst wusste insgeheim ganz genau, dass ich heute bzw. damals eine weiterentwickelte, kompetentere und materiell wie immateriell gewachsene Frau geworden war im Vergleich zu der Zeit davor. Also fertigte ich eine Liste an, die mir meine Entwicklung zeigte, und zwar auch und insbesondere Entwicklungen, die ich im jeweiligen Tiefpunkt meines Lebens nie für möglich gehalten hätte. Hier einige Beispiele, die wichtige Transformationen bzw. Entwicklungen in meinem Leben darstellen:

  • früher: Ich konnte kein Wort Deutsch; heute: Ich spreche fließend Deutsch

  • früher: Ich dachte, die große, wahre Liebe gibt es nur in Büchern und Filmen; heute: Ich lebe und erlebe sie seit Jahren täglich

  • früher: Ich dachte, ich sei schwach in Mathe; heute: Ich kann komplexe mathematische Beweise über mehrere Seiten führen

  • früher: Ich hätte es nicht für möglich gehalten, studieren zu können; heute: Ich habe nicht nur meinen Diplom-Abschluss, sondern sogar den Dr.-Grad

  • früher: Ich dachte, ich würde die Trennung von meiner ersten Liebe niemals verkraften; heute: Ich habe viel mehr verkraftet als ich denken konnte

  • früher: Ich konnte meine Bedürfnisse nicht äußern; heute: Ich sage, was ich brauche und was ich nicht möchte und zwar ohne große Rechtfertigung

  • früher: Ich konnte mir nicht vorstellen, meine Wahrheit auszusprechen, weil ich Angst vor Konflikten hatte, die damit verbunden gewesen wären; heute: Ich lebe meine Wahrheit

  • früher: Ich konnte nicht so gut nein sagen; heute: Mich loben andere dafür, wie gut und sozial verträglich ich nein sagen kann

Urvertrauen auf Knopfdruck

So ist eine Liste mit vielen kleinen und großen "Transformationsposten" entstanden, die mir zeigt, dass es immer weitergeht und dass ich allen Grund dafür habe, auch diesmal zu vertrauen. Ich habe mir mit dieser Liste bewusst gemacht, wie oft meine Gefühle von Hoffnungslosigkeit, Machtlosigkeit und Angst unbegründet waren und wie sehr ich in den Fluss des Lebens vertrauen durfte und darf. Sie macht mir bewusst, wie vieles doch möglich ist, auch wenn Wahrnehmung für Möglichkeiten begrenzt ist. Heute denke ich an Tagen, an denen ich emotional etwas instabiler unterwegs bin oder meine Angst vor großen Entscheidungen sich meldet, an diese Liste und mache mir bewusst, dass ich genau wie früher in den Fluss des Lebens vertrauen darf. Der Gedanke an diese Liste ist wie ein Knopf, den ich drücke, welcher mein Urvertrauen aktiviert und stärkt. Die Zusammenfassung der Liste lautet dann in meinem Empowerment-Self-Talk: "Wie oft hattest Du Angst/keine Hoffnung/zu viel Respekt vor etwas und es ist im Nachhinein doch gut gegangen? Sehr oft. Also vertraue weiter in den Fluss des Lebens."


Was kannst Du tun, um Dein Selbstvertrauen zu aktivieren und/oder zu stärken? Nimm Dir einfach ein Blatt Papier und schreibe Dir alle Situationen auf, in denen Du Angst oder keine Hoffnung hattest und im Nachhinein alles gut gegangen ist. Konzentriere Dich dabei nicht nur auf große Erfolge oder Herausforderungen. Jede kleine und große Situation, in der Du Deine Macht und das Wohlwollen des Universums unterschätzt hast, zählt. Schreibe auch Situationen auf, in denen Du Glück gehabt hast und Situationen, in denen Du gedacht hast, irgendeine unsichtbare Kraft oder Energie beschützt Dich. All das ist wichtig, um Dein Urvertrauen zu aktivieren und zu stärken. Wenn Du als Coach arbeitest, dann wäre das eine Hausaufgabe, die Du Deinem Klienten geben könntest, um sein Selbstvertrauen zu aktivieren und zu stärken.


Ich wünsche Dir eine ordentliche Portion wach gewordenes Urvertrauen.


In Liebe

Deine Sol ☀️


© 2020 by Dr. Sol Alevifard

Dr. Sol Alevifard

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